Was hinter dem Begriff steckt
Thermoplaste bestehen aus überwiegend linearen oder schwach verzweigten Molekülketten, die nur durch schwache physikalische Bindungen zusammenhalten. Deshalb lassen sie sich laut Wikipedia in einem Temperaturbereich verformen, und der Vorgang ist umkehrbar: Wer sie wieder erwärmt, kann sie erneut erweichen, solange noch keine thermische Zersetzung eingesetzt hat. Zu den bekannten Vertretern zählen PET, Polycarbonat und PMMA. Die Wikipedia beschreibt vier Zustände: fest, thermoelastisch, thermoplastisch und fließfähig. Erst im thermoplastischen Bereich verliert das Material seine Formstabilität und kehrt nicht sicher in die Ausgangsform zurück.
In der Zahnmedizin werden Thermoplaste als Folien unter Wärme und Unterdruck über ein Modell gezogen. Bei Aufbissschienen beschreibt Dr. Gumpert etwa eine rund 1 mm dicke PMMA-Folie, die über ein Gipsmodell gezogen wird. Als Aligner-Materialien nennt eine Fachstudie PETG, Polypropylen, Polycarbonat, TPU und Ethylenvinylacetat mit Foliendicken von typischerweise 0,5 bis 1,5 mm. Dieselbe Studie berichtet, dass etwa die Hälfte der anfänglichen Spannung in den ersten Tragestunden abgebaut wird.
Missverständnisse: Nicht jede Zahnschiene besteht aus demselben Kunststoff; Material und Dicke unterscheiden sich je nach Zweck. Und: Thermoplastisch heißt wärmeempfindlich. Was sich beim Fertigen verformen lässt, kann sich im Gebrauch ungewollt verziehen.
In der Praxis
Für die Reinigung ist die Wärme der entscheidende Punkt. Kliniken raten beispielsweise bei Alignern, kein kochendes Wasser zu verwenden; das Merkblatt der Uniklinik Aachen nennt ausdrücklich lauwarmes Wasser. Schalte die Heizung des Ultraschallgeräts bei Zahnschienen deshalb aus oder wähle eine niedrige Temperatur, und bleib bei kurzen Zeiten.
Welcher Reiniger passt, hängt vom Material ab, und das weiß dein Zahnarzt oder Kieferorthopäde. Bei PMMA-Schienen sind Alkohol und Lösemittel zu vermeiden. Dieser Ratgeber ersetzt keine zahnärztliche Beratung. Mehr zur Reinigung findest du bei Zahnschiene reinigen.
Verwandte Begriffe
Häufige Fragen
Was bedeutet thermoplastisch bei einer Zahnschiene?
Der Kunststoff wird bei Wärme weich und lässt sich formen, beim Abkühlen wird er wieder fest. Dadurch kann der Techniker die Schiene über ein Modell ziehen. Dieselbe Eigenschaft macht die fertige Schiene empfindlich gegenüber Hitze.
Warum darf eine Schiene nicht in heißes Wasser?
Weil sich Thermoplaste bei Erwärmung verformen können. Das Merkblatt der Uniklinik Aachen warnt bei Alignern vor kochendem Wasser. Eine verzogene Schiene sitzt schlechter und muss unter Umständen ersetzt werden. Nutze deshalb lauwarmes Wasser.
Woraus besteht meine Zahnschiene?
Das hängt von Art und Hersteller ab: Aufbissschienen bestehen häufig aus PMMA, Aligner aus Folien wie PETG oder TPU. Welches Material in deinem Fall verwendet wurde, sagt dir die Praxis oder das Dentallabor.



