Was hinter dem Begriff steckt
Polycarbonat (PC) ist ein amorpher Thermoplast mit einer Dichte von etwa 1,20 g/cm³ und einer Glasübergangstemperatur von 148 °C. Laut Wikipedia ist er deutlich schlagzäher als Glas und bildet bei mittleren Stoßenergien keine Splitter. Die Lichtdurchlässigkeit liegt bei 88 Prozent (3 mm Dicke), der Brechungsindex bei etwa 1,59. All About Vision nennt für Brillengläser einen Wert von 1,58, bis zu zehnmal höhere Stoßfestigkeit als bei herkömmlichen Kunststoff- oder Glasgläsern und vollständige UV-Blockung. Polycarbonat ist relativ teuer und wird deshalb vor allem dort eingesetzt, wo andere Kunststoffe zu weich, zu spröde oder zu kratzempfindlich sind. UV-Licht führt ohne Schutzbeschichtung zu Versprödung und Vergilbung.
Die Schwäche ist die Oberfläche. Laut Wikipedia ist die Abriebfestigkeit geringer als bei Glas; unbeschichtet steigt die Trübung im Abriebversuch um etwa 30 Prozent, mit einer Polysiloxan-Lackschicht von 5 bis 8 Mikrometern bleibt sie unter 4 Prozent. Chemisch ist Polycarbonat beständig gegen Wasser, Alkohole außer Methanol, Fette, Öle und verdünnte Säuren, aber nicht gegen starke Säuren und Laugen, alkalische wässrige Lösungen, Ammoniak, Amine oder chlorierte Kohlenwasserstoffe. Aceton, Ester und Ketone können Spannungsrisse auslösen, und längeres Einwirken von heißem Wasser führt zur Hydrolyse.
Das Missverständnis liegt auf der Hand: „Bruchfest“ heißt nicht „kratzfest“, und „bruchfest“ heißt auch nicht „chemisch unempfindlich“.
In der Praxis
Für das Ultraschallbad leitet sich daraus eine einfache Regel ab: Ein mildes, möglichst neutrales Brillenkonzentrat ist die sichere Wahl. Stark alkalische Mittel, Ammoniakreiniger und lösemittelhaltige Produkte gehören nicht ins Bad, denn sie gehören laut Wikipedia zu den kritischen Stoffen für Polycarbonat. Auch die Heizung des Geräts lässt du bei Polycarbonat-Gläsern besser aus, wenn der Hersteller nichts anderes vorgibt, denn längeres Einwirken heißen Wassers führt laut Wikipedia zur Hydrolyse. Halte die Badzeit außerdem kurz.
Sind die Gläser zusätzlich beschichtet, gilt, was auch für Entspiegelungen gilt: im Zweifel Optiker fragen. Schritt-für-Schritt-Hinweise findest du bei Brille reinigen.
Verwandte Begriffe
- Hartschicht (Brille)
- Entspiegelung
- Alkalischer Reiniger
- Heizleistung
- pH-Wert
- Thermoplast (Zahnschiene)
- Acrylat (Prothese)
- Schonmodus
Häufige Fragen
Woran erkenne ich Polycarbonat-Gläser?
Am sichersten fragst du den Optiker oder schaust in deine Brillenunterlagen. Polycarbonat-Gläser sind dünn und leicht und werden oft für Kinderbrillen, Sport- und Arbeitsschutzbrillen verwendet. Ein Blick aufs Glas verrät das Material nicht zuverlässig.
Sind Polycarbonat-Gläser kratzfester als Glas?
Nein, im Gegenteil: Laut Wikipedia ist die Abriebfestigkeit geringer als bei Glas. Dafür sind sie sehr schlagzäh. Eine Hartschicht gleicht die Kratzempfindlichkeit teilweise aus, völlig kratzfest wird das Material damit trotzdem nicht.
Welche Reiniger sind für Polycarbonat kritisch?
Laut Wikipedia sind Aceton, Methanol, Toluol, chlorierte Kohlenwasserstoffe, Ammoniak und alkalische wässrige Lösungen problematisch. Verwende deshalb milde, auf Brillen abgestimmte Mittel und halte dich an die Herstellerangaben. Vorsicht ist auch bei Haushaltsreinigern mit Ammoniak geboten.



