Was hinter dem Begriff steckt
Ein Ultraschallreiniger reinigt nicht durch Vibration der Wanne, sondern durch Kavitation in der Flüssigkeit. Die Schallwelle erzeugt im Wechsel Unterdruck- und Überdruckphasen. In der Unterdruckphase reißt die Flüssigkeit an winzigen Keimen auf, es entstehen Hohlräume. In der folgenden Druckphase fallen sie zusammen. Dabei entstehen sehr kleine, aber heftige Flüssigkeitsstrahlen und Druckstöße direkt an der Oberfläche des Reinigungsguts.
Elma, ein Hersteller von Ultraschallbädern, unterscheidet zwei Formen: Bei der stabilen Kavitation schwingen Bläschen über viele Zyklen, bei der transienten Kavitation fallen sie heftig in sich zusammen. Für die Reinigungswirkung ist vor allem die zweite Form wichtig. Wie stark sie ausfällt, hängt von der Frequenz ab: Niedrige Frequenzen um 25 bis 40 kHz erzeugen größere Blasen und kräftigere Implosionen, hohe Frequenzen kleinere und schonendere.
Zwei Missverständnisse sind verbreitet. Erstens: Mehr Kavitation sei immer besser. Laut Bandelin-Anleitung ist die Wanne selbst ein Verschleißteil, weil Kavitation über die Zeit auch Metall abträgt. Zweitens: Kavitation wirke sofort in jeder Flüssigkeit gleich. Frisches Leitungswasser enthält gelöste Gase, die die Implosionen dämpfen. Deshalb empfehlen Hersteller, neue Füllungen zuerst zu entgasen. Auch Temperatur und Reinigungszusatz verändern, wie gut sich die Bläschen bilden. Für den Alltag heißt das: Kavitation erreicht auch Stellen, an die keine Bürste kommt, etwa Gravuren, Scharniere oder feine Bohrungen.
In der Praxis
Halte während des Betriebs nicht die Finger ins Bad, auch wenn es harmlos aussieht. Ob Kavitation arbeitet, erkennst du an feinen Schlieren und einem leisen Zischen an der Oberfläche. Fülle die Wanne bis zur Markierung, entgase frisches Wasser einige Minuten und lege die Teile in den Korb statt direkt auf den Boden. Empfindliche Stücke mit losen Steinen oder weichen Beschichtungen gehören nicht ins Bad. Wie das Prinzip im Detail abläuft, erklärt unser Ratgeber Wie funktioniert ein Ultraschallreiniger?
Verwandte Begriffe
- Ultraschallfrequenz
- Degas
- Piezo-Schwinger
- Ultraschallleistung
- Leistungsdichte
- Sweep-Modus
- Kavitationserosion
- Tensid
Häufige Fragen
Ist Kavitation gefährlich für meine Gegenstände?
Für robuste Teile aus Metall, Glas oder Hartkunststoff ist sie unproblematisch. Bei weichen Steinen, losen Fassungen oder beschädigten Beschichtungen kann sie Schäden vergrößern. Lies im Zweifel die Hinweise des Geräteherstellers und des Herstellers deines Gegenstands.
Warum zischt mein Ultraschallreiniger?
Das Zischen kommt von den zusammenfallenden Kavitationsbläschen und vom Schwingungssystem. Es ist ein normales Betriebsgeräusch. Bandelin empfiehlt bei größeren Geräten sogar Gehörschutz, wenn man sich länger in unmittelbarer Nähe aufhält.
Funktioniert Kavitation auch in kaltem Wasser?
Ja, sie entsteht auch in kaltem Wasser. Hersteller wie Bandelin nennen aber 50 bis 60 °C als besonders wirksamen Bereich für viele Reinigungsaufgaben. Für eiweißhaltige Verschmutzungen gilt dagegen eine Obergrenze von etwa 35 °C.



