Magazin · Brille & Sehen

Kratzer in Brillengläsern: Was hilft und was schadet

Kratzer in Brillengläsern lassen sich nicht wegpolieren. Warum Zahnpasta und Natron die Beschichtung zerstören und wie du neuen Kratzern vorbeugst.

5 Min. Lesezeit·Redaktion Ultraschallreiniger-Guide·Aktualisiert

Kratzer in Brillengläsern lassen sich nicht entfernen. Kein Hausmittel und kein Produkt repariert zerkratzte Gläser, wie All About Vision festhält. Zahnpasta und Natron tragen Material ab und zerstören die hauchdünne Entspiegelung. Bei starken Kratzern im Blickfeld helfen nur neue Gläser. Mit der richtigen Pflege vermeidest du neue Kratzer.

Warum lassen sich Kratzer in Brillengläsern nicht entfernen?

Ein Kratzer ist ein Materialverlust. Du kannst ihn weder auffüllen noch wegpolieren, ohne die Oberfläche der Gläser weiter zu verändern. Moderne Gläser bestehen aus einem Schichtaufbau. Bei Kunststoffgläsern sitzt auf dem Grundmaterial eine Hartschicht. Laut Wikipedia wird sie entweder aufgedampft, meist als recht sprödes Siliciumdioxid, oder als flexibler Lack im Tauchbad aufgebracht. Darüber liegt die Entspiegelung. Wikipedia nennt als Beispiel eine Magnesiumfluorid-Schicht von etwa 100 nm, das sind 0,0001 mm. Brillengläser tragen meist eine Mehrfachvergütung aus Schichten mit unterschiedlichem Brechungsindex.

Kunststoff verkratzt schneller als Mineralglas, schreibt Wikipedia. Mineralglas ist härter, bricht aber leichter. Die Hartschicht erhöht die Widerstandsfähigkeit der Kunststoffgläser, sie macht sie aber nicht kratzsicher. Rodenstock verspricht für seine Kunststoffgläser eine ausgezeichnete Kratzfestigkeit im täglichen Gebrauch, aber nicht den Begriff „kratzsicher“.

Welche Glasart kratzt wie schnell?

GlasartKratzfestigkeitBruchverhalten
Mineralglashärter, weniger kratzempfindlichbricht leichter, höheres Verletzungsrisiko
Kunststoff (CR-39)verkratzt schneller als Glas, Hartschicht hilftbruchsicher
Polycarbonatkratzempfindliche Oberflächebruchsicher

Die Hartschicht schützt nicht vor Bruch, und eine Versiegelung garantiert laut Wikipedia keine gute Kratzfestigkeit.

Was zerkratzt Brillengläser im Alltag?

Fünf Ursachen tauchen in den Quellen immer wieder auf:

  • Staub und Schmutz: Wischst du sie trocken ab, schleifen sie über die Fläche. Stiftung Warentest schreibt, der Staub könne sonst beim Putzen Kratzer erzeugen.
  • Raue Tücher: Taschentücher, Küchenrolle, Klopapier und Kleidung haben oft raue Fasern. In den Versuchen von Carl Zeiss Vision hinterließ ein T-Shirt mit der Zeit sichtbare Schäden an der Beschichtung.
  • Angetrockneter Schweiß: Carl Zeiss Vision nennt auf dem Glas getrockneten Schweiß „sehr aggressiv“.
  • Hitze: Rodenstock rät, Brillen vor außergewöhnlich hohen Temperaturen zu schützen, etwa im sonnig geparkten Auto oder in der Sauna.
  • Falsche Reiniger: Scharfe Haushaltsreiniger, Lösungsmittel, Säuren und Laugen greifen die Veredelung an.

Warum ruinieren Zahnpasta und Natron die Beschichtung?

Zahnpasta reinigt über Putzkörper. Wikipedia nennt Silikate, Schlämmkreide und Marmorpulver und ordnet ihnen die Hauptreinigungswirkung der Paste zu. Stark abrasive Pasten tragen laut Wikipedia sogar Zahnschmelz ab. Auf einem Brillenglas wirken dieselben Körnchen als Schleifmittel. Eine Schicht von etwa 100 nm hält dem nicht stand.

Natron ist ein körniges Pulver, das als Paste auf der Fläche reibt. Keine der gelesenen Herstellerangaben nennt Zahnpasta oder Natron als Pflegemittel für Brillengläser. Rodenstock erlaubt lauwarmes Wasser mit einem pH-neutralen Reinigungsmittel und warnt vor scharfen Haushaltsreinigern, Lösungsmitteln wie Aceton, Säuren und Laugen.

Auch Kratzer-Polituren lösen das Problem nicht. All About Vision erklärt, dass solche Produkte meist auf Wachs beruhen. Sie machen Kratzer nur kurz unsichtbar, nutzen sich schnell ab und hinterlassen oft Schmierflecken auf entspiegelten Gläsern.

Die Übersicht zeigt, welche Mittel du nutzen kannst und welche nicht:

MittelBewertungBegründung
Lauwarmes Wasser mit pH-neutralem Reiniger✓ geeignetRodenstock empfiehlt es als Standard
Sauberes Baumwoll- oder Mikrofasertuch✓ geeignetweiche Fasern, nur sauber verwenden
Brillenspray und Feuchttücher◐ mit Vorsichtmeist unnötig, können die Beschichtung beeinflussen
Kratzer-Politur mit Wachs◐ mit Vorsichtwirkt kurz, schmiert auf Entspiegelung
Zahnpasta, Natron✗ nieSchleifwirkung auf dünnen Schichten
Fensterreiniger, Aceton, Lösungsmittel✗ nielaut Rodenstock und Kuratorium Gutes Sehen ungeeignet
Küchenrolle, Taschentuch, T-Shirt✗ nieraue Fasern zerkratzen die Schicht

Wann brauchst du neue Gläser?

Neue Gläser brauchst du, wenn Kratzer im Blickfeld liegen und beim Sehen stören. All About Vision empfiehlt bei starken Kratzern neue Gläser mit kratzfester Beschichtung und einer Anti-Kratz-Garantie beim Optiker. Frage beim Kauf nach dieser Garantie.

Carl Zeiss Vision sieht beschädigte Beschichtungen als eines der häufigsten Probleme. Die Ursache liege nicht nur an der Glasqualität, sondern auch am Umgang. Eine moderne Beschichtung hält nach Aussage von Zeiss die vier bis fünf Jahre, die Träger eine Brille typischerweise nutzen. Hitze, Stürze und falsche Lagerung verkürzen diese Zeit. Rodenstock nennt als Beispiele ein in der Sonne geparktes Auto und die Sauna.

Der Zwei-Fragen-Check hilft bei der Entscheidung. Erstens: Stört der Kratzer beim Sehen, etwa im Blickfeld oder bei Gegenlicht? Zweitens: Gilt für das Glas noch eine Anti-Kratz-Garantie? Antwortest du zweimal mit Ja, geh mit der Brille zum Optiker. Antwortest du bei der Garantie mit Nein, kostet der Ersatz Geld. Wikipedia weist darauf hin, dass Entspiegelungen und Tönungen meist die Kunden selbst bezahlen und spezielle Lackhärtungen nicht von den Krankenkassen übernommen werden.

Wie beugst du neuen Kratzern vor?

Die meisten Kratzer entstehen beim Putzen. Staub und Schmutz wirken wie Schleifpapier, wenn du trocken wischst. Das Kuratorium Gutes Sehen rät deshalb, grobe Partikel unter fließendem lauwarmem Wasser abzuspülen, bevor du die Gläser abwischst. Wir fassen das als Spül-Tupf-Regel zusammen: erst spülen, dann tupfen, nie trocken reiben.

  1. Abspülen. Halte die Brille unter lauwarmes Wasser. Heißes Wasser schadet den Beschichtungen.
  2. Einen Tropfen Spülmittel verreiben. Nimm ein Spülmittel ohne rückfettende Zusätze, damit keine Schlieren bleiben.
  3. Gründlich ausspülen. Spüle alle Reste mit klarem Wasser ab.
  4. Tupfen statt reiben. Trockne die Gläser mit einem sauberen Baumwoll- oder Mikrofasertuch.
  5. Ins Etui legen. Lagere die Brille bei Nichtgebrauch im Etui, nie mit den Gläsern nach unten auf dem Tisch.

Zwei Ergänzungen: Spüle Schweiß nach dem Sport sofort ab, denn Carl Zeiss Vision nennt angetrockneten Schweiß aggressiv für die Schicht. Und puste Staub weg, bevor du ein Einmaltuch benutzt, wie es All About Vision empfiehlt.

Die ausführliche Anleitung zu Reinigungsmitteln, Tüchern und Ultraschall steht im Ratgeber Brille richtig reinigen.

Schadet das Ultraschallbad den Gläsern?

Die Quellen geben dafür enge Grenzen vor. Rodenstock erlaubt das Ultraschallbad höchstens einmal im Monat für etwa 1 bis 2 Minuten. Das Kuratorium Gutes Sehen nennt einen Rhythmus von drei bis sechs Monaten und verweist auf Optiker, die das Bad meist kostenlos anbieten. Carl Zeiss Vision hält Ultraschallreiniger grundsätzlich für unbedenklich, nimmt aber Fassungen aus Naturmaterial und bestimmte Reinigungszusätze aus.

Gut zu wissen: Beim Tuch gehen die Meinungen auseinander. Rodenstock hält ein Mikrofasertuch für ausreichend. Zeiss empfiehlt ein sauberes Baumwolltuch zum Trocknen, weil Mikrofaser Feuchtigkeit nicht aufsaugt. Stiftung Warentest rät, Mikrofasertücher regelmäßig zu wechseln oder bei höchstens 40 °C mit Feinwaschmittel zu waschen, weil sie Schmutz sammeln.

Häufige Fragen

Kann man Kratzer aus Brillengläsern entfernen?

Nein. All About Vision stellt fest, dass es kein Mittel gibt, das zerkratzte Gläser repariert. Produkte auf Wachsbasis überdecken Kratzer nur kurz. Bei starken Kratzern sind neue Gläser nötig.

Hilft Zahnpasta gegen Kratzer auf der Brille?

Nein. Zahnpasta enthält Putzkörper wie Silikate und Schlämmkreide, die Material abtragen. Auf einer Entspiegelung von etwa 100 nm Dicke zerstören sie die Schicht.

Wann sind Kratzer ein Fall für neue Gläser?

Sobald Kratzer im Blickfeld das Sehen stören. All About Vision empfiehlt in diesem Fall neue Gläser mit kratzfester Beschichtung und Anti-Kratz-Garantie.

Wie lange hält die Beschichtung einer Brille?

Nach Aussage von Carl Zeiss Vision hält eine moderne Beschichtung vier bis fünf Jahre. Hitze, Stürze und falsche Lagerung verkürzen die Zeit.

Darf ich meine Brille mit heißem Wasser spülen?

Nein. Heißes Wasser kann Beschichtungen beschädigen, schreiben All About Vision und das Kuratorium Gutes Sehen. Spüle mit lauwarmem Wasser.

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