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Motorrad einwintern: die Checkliste

Zehn Schritte vom Tank bis zur Abdeckung: So bringst du dein Motorrad ohne Standschäden durch den Winter, auch wenn ein Vergaser verbaut ist.

5 Min. Lesezeit·Redaktion Ultraschallreiniger-Guide·Aktualisiert

Zum Einwintern reinigst du das Motorrad gründlich, sicherst den Kraftstoff, baust die Batterie aus oder erhältst sie mit einem Ladegerät, erhöhst den Reifendruck um etwa 0,5 bar und konservierst Kette und Blankmetall. Dann stellst du es trocken und belüftet unter eine atmungsaktive Abdeckung. Beim Vergaser sind die Schwimmerkammern der wichtigste Punkt, denn alter Kraftstoff verharzt dort.

Welches Material brauchst du?

Die Teile ergeben sich aus den genannten Checklisten. Lege sie vor dem ersten Handgriff bereit:

  • Pflege: Reinigungsmittel für Lack, Chrom und Kunststoff, Handschuhe und Schutzbrille bei aggressiven Auspuffreinigern.
  • Kraftstoff: Stabilisator, wenn Kraftstoff im Tank bleibt, sowie Behälter für das Ablassen der Schwimmerkammern.
  • Motor: Motoröl, Ölfilter, gegebenenfalls Kühlmittel nach Herstellerangabe.
  • Strom: ein passendes Ladegerät, bei offenen Batterien destilliertes Wasser.
  • Fahrwerk: Reifenfüller mit Manometer, Haupt- oder Montageständer, Kettenreinigungsset und Kettenspray.
  • Schutz: Konservierungsmittel, geölter Lappen, atmungsaktive Abdeckung.

Was gehört auf die Einwinter-Checkliste?

Die Checkliste folgt den Empfehlungen von ADAC, MOTORRAD und t-online. Arbeite sie vor der letzten Ausfahrt der Saison ab, die Reihenfolge entspricht dem sinnvollen Ablauf:

  1. Waschen und trocknen. Entferne Schmutz um Motor, Auspuff und Schwinge. Eingeschlossene Feuchtigkeit lässt Metall rosten. Pflege Lack, Chrom, Kunststoff und Sitzbank.
  2. Kraftstoff sichern. Fülle einen Stahltank bis zum Rand, wenn das Motorrad auf dem Hauptständer steht. Kunststofftanks lässt der ADAC möglichst leer, weil Kraftstoffbestandteile durch die Wand diffundieren. Ein Stabilisator hilft, wenn Kraftstoff im Tank bleibt.
  3. Vergaser entleeren. Schließe vor der letzten Fahrt den Benzinhahn oder lass die Schwimmerkammern bei abgestelltem Motor über die Ablassschrauben ab. Verschließe die Schrauben danach wieder.
  4. Öl wechseln. Lass das Öl aus dem warmen Motor ab, wechsle den Filter und fülle frisches Öl ein. Drehe den Motor danach mehrmals mit Starter oder Kickstarter durch, ohne ihn zu starten.
  5. Kühlflüssigkeit prüfen. Kontrolliere Stand und Frostschutzkonzentration und erneuere die Flüssigkeit nach Herstellerangabe.
  6. Batterie versorgen. Baue sie aus und lagere sie trocken, kühl und frostfrei. Lade sie regelmäßig mit einem passenden Ladegerät. Fülle offene Batterien bis zur oberen Marke mit destilliertem Wasser auf, öffne wartungsfreie Batterien nie.
  7. Reifen schonen. Erhöhe den Luftdruck um etwa 0,5 bar über den Betriebsdruck und entlaste die Reifen mit Hauptständer oder Montageständer. Fehlt der Ständer, bewege das Motorrad alle paar Wochen oder drehe die Räder.
  8. Kette pflegen. Reinige Kette und Ritzel mit einem Reinigungsset und öle sie mit Kettenspray. Tausche Kette und Ritzel als Satz, wenn die Zähne spitz sind oder die Flanken ungleichmäßig aussehen.
  9. Rost verhindern. Sprühe Auspuff, Felgen und Speichen dünn mit Konservierungsmittel ein, halte Bremsscheiben und Bremsbeläge frei, wische Blankmetall mit einem geölten Lappen ab und pflege Gummiteile. Schmiere Schalter, Hebel und Züge.
  10. Abstellort wählen. Nimm einen trockenen, gut belüfteten, nicht zu warmen Raum, etwa Keller oder Garage. Decke das Motorrad mit einer Decke oder einem Tuch ab, nicht mit einer luftdichten Plane, denn die staut Kondenswasser.

Gut zu wissen: Mit Saisonkennzeichen darfst du das Motorrad außerhalb des Zulassungszeitraums nicht im öffentlichen Straßenraum parken, schreibt der ADAC. Draußen brauchst du eine wasserdichte, blickdichte Abdeckung bis zum Boden, die du an trockenen Tagen lüftest.

Welche Standschäden entstehen im Kraftstoffsystem?

Kraftstoff altert, auch im geschlossenen Tank. MOTORRAD nennt als Faustwert, dass Kraftstoff etwa zwei bis drei Monate stabil bleibt, unter guten Bedingungen bis zu einem Jahr. Licht, Luft und Temperaturwechsel beschleunigen die Alterung. Eine Winterpause von fünf Monaten liegt über der unteren Grenze von zwei bis drei Monaten, deshalb zählen die Schutzmaßnahmen.

VorgangWas passiertFolge für das Motorrad
VerdunstungDie leichtesten Kohlenwasserstoffe entweichenKraftstoff wird schwerer und zündet schlechter, der Kaltstart leidet
OxidationUngesättigte Verbindungen reagieren mit Sauerstoff zu Säure und unlöslichen Polymerenklebrige, lackartige Rückstände verstopfen Pumpe, Leitungen, Vergaser und Einspritzdüsen
Ethanol und WasserEthanol nimmt Feuchtigkeit auf und trennt sich ab, wenn er gesättigt istdie Wasserphase schädigt Metallteile und Leitungen

Ethanolhaltiger Kraftstoff (E5, E10, E85) altert laut MOTORRAD nicht schneller, die anderen Prozesse laufen sogar etwas langsamer. Das Problem ist die Feuchtigkeit. Ein Tank mit wenig Kraftstoff enthält mehr Luft, der Kraftstoff altert dort schneller.

Beim Vergaser sitzt das Risiko in den Schwimmerkammern und Düsen. t-online nennt als Folge alten Kraftstoffs in den Schwimmerkammern klebrige Rückstände, raues Laufen und schweres Anspringen. Ist der Vergaser im Frühjahr schon verklebt, steht die Reinigung Schritt für Schritt im Ratgeber Vergaser reinigen.

Tank voll oder leer?

Die Quellen sind hier nicht einig, weil das Tankmaterial und der Kraftstoff den Ausschlag geben:

FallEmpfehlungQuelle
Stahltank✓ bis zum Rand füllen, weniger Kondenswasser und weniger LuftADAC, t-online, MOTORRAD
Kunststofftank◐ möglichst leer, weil Bestandteile durch die Wand diffundierenADAC, t-online
Voller Tank, Wahl des Kraftstoffs✓ Premium-Kraftstoff ohne Ethanol, sonst E5MOTORRAD
Leerer Tank◐ funktioniert, beschleunigt aber die Alterung im restlichen KraftstoffsystemMOTORRAD

Unsere Einordnung: Bei einem Motorrad mit Stahltank und Vergaser füllst du den Tank, gibst Stabilisator dazu und leerst die Schwimmerkammern. Bei Kunststofftank folgst du der Herstellerangabe deines Modells. Tanke den Kraftstoff vor der letzten Fahrt, denn er bleibt monatelang im Tank. Dosiere den Stabilisator nach der Packung.

Was tust du während der Winterpause?

  • Lade die Batterie regelmäßig mit dem Ladegerät, damit sie nicht tiefentlädt.
  • Bewege das Motorrad oder drehe die Räder alle paar Wochen, wenn kein Ständer die Reifen entlastet.
  • Lüfte die Abdeckung an trockenen Tagen, besonders draußen.
  • Prüfe bei flüssigkeitsgekühlten Motorrädern in unbeheizten Räumen den Frostschutz, wie t-online empfiehlt.
  • Nutze den Winter für die technische Inspektion nach Herstellervorgabe. Der ADAC weist darauf hin, dass Werkstätten in der Nebensaison oft günstigere Preise anbieten und Händler das Motorrad häufig abholen.

Ein Beispiel für den Reifendruck: Fährst du vorn 2,5 bar, pumpst du auf 3,0 bar auf. Stelle den Druck beim Ausmotten wieder auf den Betriebswert zurück.

Wie nimmst du das Motorrad im Frühjahr wieder in Betrieb?

Die Quellen beschreiben nur das Einwintern. Der Rückweg ergibt sich daraus, wir ordnen ihn so ein:

  • Reifendruck: Stelle den Druck auf den Betriebswert zurück, also 0,5 bar weniger.
  • Batterie: Baue die geladene Batterie wieder ein.
  • Öl und Kühlmittel: Kontrolliere beide Füllstände.
  • Kraftstoff: Öffne den Benzinhahn, damit die Schwimmerkammern wieder volllaufen, und prüfe den Tankinhalt. Ist er älter als die zwei bis drei Monate Faustwert, tausche ihn aus.
  • Kette und Abdeckung: Prüfe die Kettenspannung, wische überschüssige Konservierung ab und nimm die Abdeckung ab.

Häufige Fragen

Soll der Tank beim Einwintern voll oder leer sein?

Ein Stahltank gehört voll, ein Kunststofftank laut ADAC möglichst leer. MOTORRAD empfiehlt einen vollen Tank, damit weniger Luft an den Kraftstoff kommt, am besten mit ethanolfreiem Kraftstoff.

Wie lange hält Benzin im Tank?

MOTORRAD nennt als Faustwert zwei bis drei Monate, unter guten Bedingungen bis zu einem Jahr. Licht, Luft und Temperaturwechsel verkürzen die Zeit.

Muss ich die Batterie ausbauen?

Der ADAC empfiehlt Ausbau und trockene, kühle, frostfreie Lagerung mit regelmäßigem Laden. t-online lässt als Alternative ein Erhaltungsladegerät zu, das eine Tiefentladung verhindert.

Wie hoch pumpe ich die Reifen auf?

ADAC und t-online nennen etwa 0,5 bar über dem normalen Betriebsdruck. Entlaste die Reifen zusätzlich mit einem Ständer.

Darf ich das Motorrad mit einer Plane abdecken?

Nur mit einer atmungsaktiven Abdeckung. Der ADAC rät in Keller und Garage zu einer Decke oder einem Tuch, weil eine luftdichte Plane Kondenswasser staut. Draußen brauchst du eine wasserdichte, blickdichte Abdeckung bis zum Boden.

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